| Der
„Schöne Fritz“ aus Besenfeld |
| von
Gunter Schön |
| Die
Lebensgeschichte des Michael Friedrich Ludwig Klumpp aus Besenfeld. |
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Dies gab den Anstoß das Leben des
Friedrich Klumpp (genannt der schöne Fritz) näher zu betrachten.
Umfangreiche Unterlagen und Bücher jener Zeit wurden gesichtet und nach
Spuren unseres Fritz durchsucht, sowie 1200 Seiten Prozessakten und Verhörprotokolle
im Staatsarchiv Ludwigsburg gelesen. Wer war nun jener „Schöne Fritz“ |
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Die Eltern waren nicht unvermögend, er genoss eine gute Erziehung, und konnte lesen und schreiben. Nach seinen Schuljahren erlernte er das Handwerk des Bäckers und Müllers, jedoch bei einem Meister der ihn, so wird berichtet zum stehlen anhielt. Er versuchte sich jedoch auf ehrliche Weise zu ernähren. 1809 schloss er sich dem französischen Militär in Strassburg als Proviantbäcker an und nahm als solcher am französischen Feldzug gegen Österreich teil. Nach dem geschlossenen Frieden nahm Fritz seinen Abschied aus der Armee. Er arbeitete zunächst eine zeitlang in Österreich und zwei Jahre in Neuchatel. Geringer Verdienst trieb ihn fort zur Wanderschaft und kam wie berichtet wird „von der Montierung“ (fand nicht mehr in ein geregeltes Leben zurück). In dieser Zeit fand er ohne Heimatschein und ordentlicher Kleidung keine Anstellung mehr. Erschwerend hinzu kommen klimatische Veränderungen die zu folgenschweren Hungerskatastrophen zwischen 1812 und 1817 führen. Wie das Wochenblatt für das Fürstentum Sigmaringen vom 18. April 1819 berichtet explodierte am 11. April 1815 der Mount Tambora in Indonesien dies war außerordentlich folgenreich für Nordwesteuropa. Die 20 – 30 Kilometer hohe Aschenwolke behinderte für 1 – 2 Jahre die Sonneneinstrahlung. Im Winter 1815 kam es zu Versorgungsengpässen 1816 war ein Jahr ohne Sommer, Regen Gewitter, Hagelschlag und Überschwemmungen führte zu Missernten und größter Not. Im Sommer 1816 war in Baden - Württemberg die Not schon so groß, dass etwa 40 000 Menschen ihre angestammte Heimat verlassen und auswandern. Unter ihnen waren auch die Eltern unseres „Fritz“, sie haben versucht nach Russland auszuwandern kamen aber dabei um ihr gesamtes Vermögen. In dieser Zeit kam Friedrich Klumpp noch einmal in die Heimat es wird berichtet dass er zwei Stunden vor Besenfeld seine Schwester traf die ihm von der Auswanderung der Eltern berichtete. So kehrte er um und kam nie wieder nach Besenfeld. In der Folge schloss sich
Friedrich Klumpp 1817 Xaver Hohenleiter genannt „schwarzer Veri“ an.
Da der Bande sich auch Frauen zugesellt haben bestand die Bande des
schwarzen Veri aus sechs Paaren: Der treueste und erste der Räuber
des schwarzen Veri war Friedrich Klumpp der unter seinesgleichen „der
schöne Fritz“ genannt wurde. Als Einziger der Bande konnte er lesen und
schreiben und fälschte mit Perfektion Pässe und Wanderbücher. In seinem
Verhör gab er zu, die Unterschrift des Schultheißen Riß von Dietmanns
gefälscht zu haben. Im Mai 1819 war die Bande durch bürgerliche
Streifen sowie einem Militärkomando festgesetzt worden
und wurde in Fesseln gelegt und nach Biberach gebracht. In dieser Zeit
erlebte Biberach aufregende Zeiten, Wagenweise wurden abenteuerliche
Gestalten durch Gendarmen und Soldaten in die Stadt gebracht wo man die
gefährlichsten in Eisen legte. So auch den schwarzen Veri und Friedrich
Klumpp. Durch die lange Untersuchungshaft
wurden die Gefangenen aufsässig und neigten zu Exzessen. Die
Nachtruhe in der Umgebung wurde gestört. Dem versuchte man durch
geringere Kost, anketten an der Wand usw. beizukommen, mit wenig Erfolg.
Am 25. Oktober 1819 abends 7 Uhr kam es sicherlich zu einem der spektakulärsten
aber erfolglosen Ausbruchsversuch an dem auch Friedrich Klumpp beteiligt
war. Er und seine Kumpane hatten schon ein großes Loch aus der Wand
gestemmt, als dies ein Wächter bemerkte und Alarm schlug. Am 25. April 1821 war sogar mit einer gewaltsamen Erhebung zu rechnen. Nach einem Bürgeraufstand wurden verschiedene Personen verhaftet. Um diese unterzubringen wurden die gefangenen Gauner auf verschiedene Gefängnisse verteilt so auch Friedrich Klumpp der seinen Prozess auf dem Hohenasperg abwarten musste. Veri erlebte seinen Prozess nicht mehr, er wurde während eines Gewitters am 20. Juli 1819 durch einen Blitzschlag getötet. Gegen sechs Verbrecher hat der
Kriminalsenat des königlichen Obertribunals am 12./13. März 1824 seine
Strafen verhängt die am 31.Dezember 1824 vom König bestätigt wurden. Mathias Friedrich Ludwig Klumpp
starb am 28. Mai 1827 in der Strafanstalt Gotteszell an Auszehrung. Der
Ort seines Begräbnisses ist nicht bekannt. |
Gemeindeverwaltung und Seewald Touristik, Wildbader Str. 1, D-72297 Seewald - www.seewald-schwarzwald.de - 29.07.2004